Ukrainische Anthologien: Konzertabend mit Avantgarde-Klaviermusik in Berlin

Am 18. September 2025 fand im Österreichischen Kulturforum Berlin ein Konzertabend statt, bei dem die ukrainischen musikalischen Anthologien erstmals vorgestellt wurden. 

Die Veranstaltung hatte zudem eine besondere Bedeutung, da sich 2025 der 130. Geburtstag von Borys Ljatoschynskyj jährte. 

In diesem Konzert waren Werke ukrainischer Komponisten des Modernismus, wie Borys Ljatoschynskyj und Fedir Jakymenko, sowie Vertreter der sogenannten Kyjiwer Avantgarde, der „Schistdesjatnyky“ (Komponisten der 1960er-Jahre), wie Leonid Hrabowskyj, Wolodymyr Huba und Walentyn Sylwestrow, zu hören. Fast alle Stücke stammten aus den vom Ukrainischen Institut herausgegebenen „Anthologies of Ukrainian Music“. 

 

Programm 

Borys Ljatoschynskyj (1895–1968): 5 Präludien op. 44 

Leonid Hrabowskyj (*1935): 4 zweistimmige Inventionen 

Walentyn Sylwestrow (*1937): 3 Bagatellen op. 1 

Wolodymyr Huba (1938–2020): Drei Skizzen 

Fedir Jakymenko (1876–1945): 3 Stücke op. 16 

 

Die Werke dieses Abends waren eine persönliche Auswahl der Pianistin Senka Brankovic. Sie ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und hat als Solistin, Kammermusikerin und Liedbegleiterin in renommierten Sälen wie dem Musikverein und Konzerthaus Wien, der Berliner Philharmonie, dem Brucknerhaus Linz oder beim Kammermusikfestival in Kyoto konzertiert. 

Fotos: Ksenia Yanko

Über die Anthologien 

Die Anthologien wurden vom Ukrainischen Institut in Auftrag gegeben, um das ukrainische Musikerbe weltweit zu fördern. Die seit 2020 entstehende Editionsreihe machte bislang schwer zugängliche Werke ukrainischer Komponisten in sorgfältig edierten Noten und mit musikwissenschaftlichen Kommentaren international verfügbar und bildete damit die Grundlage des Konzertprogramms. Sie dokumentierten eine einzigartige musikalische Bewegung der 1960er-Jahre in der Ukraine und den Übergang zum Nonkonformismus der 1970er-Jahre. Viele der darin enthaltenen Werke konnten in der Sowjetzeit nur selten oder gar nicht aufgeführt werden und blieben einem engen Kreis von Eingeweihten vorbehalten. Gleichzeitig spiegelten sie die Einbindung ukrainischer Musik in internationale Strömungen wider, insbesondere unter dem Einfluss der Darmstädter Schule. 

 

Die Veranstaltung wurde gemeinsam organisiert vom Ukrainischen Institut in Deutschland und vom Österreichischen Kulturforum Berlin.