Russische Kulturdiplomatie in Deutschland: Akteuren, Narrative, Ergebnisse

Autor:innen:

Maria Protsiuk, Anna Prokhorova, Maria Dubyk

Über die Studie:

Ziel der Studie ist es, die Aktivitäten staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren der russischen Kulturdiplomatie in Deutschland, ihre Verflechtungen, Netzwerke und Besonderheiten der Arbeitsweise im Rückblick auf die letzten zwei Jahrzehnte zu analysieren.  

Die Studie „Russische Kulturdiplomatie in Deutschland: Akteuren, Narrative, Erfolge“ setzt die vom Ukrainischen Institut im Jahr 2022 begonnene Reihe von Studien über Institutionen der russischen Kulturdiplomatie fort.  

Die Studie wurde von Analytiker:innen des Ukrainischen Instituts mit finanzieller Unterstützung der Open Society Foundations und organisatorischer Hilfe des Goethe-Instituts im Rahmen des Projekts „Enhancing the Ukraine-Germany cultural dialogue 2022-2023“ erstellt. 

Präsentation der Studie:

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Das Netz der staatlichen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen, die direkt oder indirekt als Akteure der russischen Kulturdiplomatie in Deutschland angesehen werden können, ist äußerst tief, umfangreich und ineinandergreifend. 

Auf den ersten Blick beschränkt sich das kleine Netz staatlicher Akteure der russischen Kulturdiplomatie in Deutschland auf die Aktivitäten von Rossotrudnichestvo, vertreten durch das Russische Haus in Berlin, die Stiftung Russkiy Mir und die ihr angeschlossenen Büros und Zentren sowie diplomatische Einrichtungen, die die kulturelle Dimension ihrer Arbeit pflegen. Im Hintergrund des Bildes der Aktivitäten dieser Akteure stehen jedoch Dutzende kleinerer Organisationen, die mit staatlichen Akteuren kooperieren und durch gemeinsame Veranstaltungen, finanzielle Unterstützung oder die Verbreitung der gleichen Narrative im Sinne des offiziellen Kremls von der offiziellen russischen Kulturdiplomatie in Deutschland beeinflusst werden. Auf diese Weise werden sie zu GONGOs (“Government-organized non-governmental Organisation” – Von der Regierung organisierte Nichtregierungsorganisation), die mit Rossotrudnichestvo oder der Russian World Foundation verbunden sind. 

Da diese Organisationen formell öffentlich bleiben, beantragen sie auch deutsche Fördermittel (sowohl vom Staat als auch von einer Reihe privater Stiftungen), was sie zusätzlich als Vertreter:innen der Zivilgesellschaft legitimiert, die in ihren Aktivitäten scheinbar autonom sind. Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum an bilateralen russisch-deutschen Kooperationsplattformen und -initiativen sowie nicht-institutionelle Praktiken. 

Die kulturelle Diplomatie Russlands passt sich an und tarnt sich, um den aktuellen politischen Gegebenheiten auf der internationalen Bühne zu entsprechen (die hauptsächlich durch Russlands eigene aggressive Eroberungshandlungen bedingt sind). Nach dem 24. Februar 2022 wurde die Zusammenarbeit mit russischen staatlichen Akteuren selbst in der zuvor recht offenen deutschen Gesellschaft als schlechter Stil angesehen. Dennoch setzt die Russische Föderation ihre aktive Instrumentalisierung der Kultur fort, um ihre außenpolitischen Ziele zu erreichen und den aggressiven Krieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen.