Neuerscheinung der Anthologie „Ukrainische Horizonte – zeitgenössische Dramen im Fokus“
Mit „Ukrainische Horizonte – zeitgenössische Dramen im Fokus“ erscheint eine Anthologie zeitgenössischer ukrainischer Dramatik. Die von Lydia Nagel ins Deutsche übersetzten Theatertexte aus den Jahren 2020 bis 2024 eröffnen Einblicke in eine literarische Gegenwart, die von Pandemie, gesellschaftlicher Unsicherheit und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geprägt ist. Erstmals werden diese Stimmen damit einem deutschsprachigen Publikum zugänglich.
Über die Publikation
Die Anthologie vereint 21 Theatertexte von 17 ukrainischen Autor:innen. Die Texte behandeln unter anderem Krieg und Erinnerung, Körper und Verletzlichkeit, Sexualität und Identität, Flucht und Migration, psychische Belastung und Isolation sowie gesellschaftliche und familiäre Umbrüche. Gemeinsam machen sie die thematische und formale Spannbreite ukrainischer Gegenwartsdramatik sichtbar.
Entstehung
Die Publikation geht auf das vom Ukrainischen Institut initiierte Programm „transmission.ua: drama on the move“ zurück, das von 2020 bis 2022 zeitgenössische ukrainische Theatertexte durch Wettbewerbe, Übersetzungen und Theaterpartnerschaften international sichtbarer machte. Aus 69 Einsendungen wurden sechs Siegerstücke für die Übersetzung ins Deutsche ausgewählt. Die ursprünglich für 2022 geplante Veröffentlichung wurde durch die russische Vollinvasion der Ukraine unterbrochen und verschoben.
Durch diese Verschiebung hat sich auch die Bedeutung des Bandes verändert: Was zunächst als Präsentation ukrainischer Gegenwartsdramatik geplant war, erscheint heute auch als eine Art Zeitkapsel. Die Anthologie bewahrt Texte, die am Vorabend eines existenziellen Krieges entstanden sind und verbindet sie mit Stimmen, die unmittelbar auf die neue Kriegsrealität reagieren.
Erweiterung
Nach Beginn der Vollinvasion wurde die Anthologie um das Projekt „Kein Kirschgarten“ erweitert. Die Sammlung umfasst 15 Kurztexte aus dem Frühjahr 2022, die direkt auf Krieg, Zerstörung und den Verlust von Sicherheit reagieren. Jeder Text trägt den Namen eines Baumes, der zugleich als Bezeichnung für ein russisches Waffensystem verwendet wird. Der Titel verweist auf Anton Tschechows „Der Kirschgarten“, verschiebt den Bezug jedoch in eine gegenwartsbezogene, antikoloniale Perspektive.
Das Buch dokumentiert eine Theaterlandschaft, die trotz Krieg und Vertreibung weiter schreibt, spricht und spielt. Es steht für die Kraft von Dramatik in einer Zeit, in der kulturelle Sichtbarkeit auch eine Form des Widerstands ist.
Verfügbarkeit und Bestellung
Die Anthologie ist im Online-Buchhandel ab dem 1. Mai 2026 erhältlich. Beim Thelem Universitätsverlag ist sie bereits jetzt verfügbar.
Partner
Herausgegeben wurde die Anthologie vom Ukrainischen Institut in Kyjiw und seiner Auslandsrepräsentanz in Deutschland. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, dem Schauspiel Stuttgart und dem Theatre of Playwrights in Kyjiw.

